Kooperation

 

 

Wenn wir aufmerksam sind, dann merken wir, dass unsere Kinder über den Tag verteilt meistens mehr kooperieren, als tatsächlich nein zu sagen und dann auch standhaft bei ihrem nein zu bleiben.

Das merkt ihr sicher sehr gut, wenn ihr genügend Zeit habt und nicht um eine bestimmte Uhrzeit irgendwo bei einem Termin sein müsst. Damit uns unsere Kinder in diesen hektischen Situationen unterstützen können, brauchen sie auch viel Kooperation von uns.

 

 

 

Zwei Beispiele:

 

 

 

Windeln wechseln:

 

Unsere kleine Tochter hat mit circa 1.5 Jahren begonnen, mir ein freundliches "nein" entgegen zu "werfen", wenn ich ihr mitgeiteilt habe, dass ich sie wickeln möchte...

Meine Antwort war: "Gut, ich komme nachher noch Mal." Daraufhin fragte ich sie immer wieder nach 15 bis 30 Minuten. Für gewöhnlich konnte ich sie nach dem 3. Mal Fragen dann auch wickeln.

 

Bei einem "großen Geschäft" sah das etwas anders aus... Nachdem sie mir ihr "nein" entgegnete, antwortete ich: "Ich habe Sorge, dass dein Po rot wird und nachher weh tut." Wieder ein freundliches "nein" ihrerseits :-) Oder: "Mama, ich spiele gerade."

Woraufhin ich gut antworten konnte: "Gut, ich sehe, du möchtest spielen und ich will dich wickeln, weil ich Angst habe, dass dir später der Po weh tut. Sag mir doch Bescheid, wenn du so weit bist." Ich muss zugeben, sie hat zunächst einmal die Erfahrung machen müssen, dass es tatsächlich weh tut, wenn man einen roten Po bekommt. Später, kam sie dann oft recht schnell von sich aus, wenn ihr "großes Geschäft" in der Windel war :-) So lief es bei uns tatsächlich immer ab.

 

Dies hatte den Vorteil, dass ich in hektischen Situationen gut sagen konnte: "Kyra, ich werde gerade ganz unruhig, weil ich einen Termin habe und jetzt los möchte. Vorher will ich dich noch wickeln. Kannst du mir dabei helfen? Tatsächlich war es auch in hektischen Situationen dann immernoch einigermaßen entspannt, weil sie sich schneller wickeln lies.

 

 

 

 

Anziehen:

 

Kyra wusste schon bevor sie 18 Monate alt war genau, was sie anziehen möchte und was nicht... Also räumte ich ihre Kleider in einen "offenen Schrank" (diese 4er Kallax-Regale von IKEA). Anfangs gezielt Sommer und Winterkleidung. Dies bedeutete, dass ich mir morgens auch erstmal genügend Zeit einplante, damit wir unseren Weg finden können, wie wir diese Situation gestalten.

 

Kyra hatte eine "ich ziehe nur Kleider an-Phase". Damals hatte ich ihre Sommerkleider in den Schrank geräumt und daneben Oberteile mit langen Ärmeln gelegt. (Unsere große Tochter hat an kühleren Tagen immer ein langärmliges Oberteil unter ein Kleid mit kurzen Ärmeln getragen.) Gut, ich sitze da nun mit Kyra vor dem Schrank... Anfangs bemerkte ich, dass es ihr einfach zu viel Auswahl auf einmal war. Da beschloss ich, zwei Kleider vor sie zu legen mit den Worten: "Möchtest du das, oder das?" Manchmal suchte sie sich direkt eins aus und manchmal musste ich nochmal zwei andere Kleider aus dem Schrank nehmen. Gut, Kleid gefunden...

 

Nun zu dem Oberteil, da ich als Erwachsener genau wusste, dass es im Winter draußen kalt ist... Da war es wieder, das freundliches "nein" meiner selbstbestimmten Tochter.  (Ich freue mich immer sehr über ihr nein.) Also hab ich erstmal zwei andere Oberteile aus dem Schrank genommen... Woraufhin sie mir mit einem wütenden "nein" beide Oberteile in den Schrank warf... Also ich: "Achso, du möchtest gar kein Oberteil mit langen Ärmeln anziehen?" Sie macht dann ein ganz bestimmtest "Schnuten-Gesicht" und rümpft die Nase.

 

ch: "Hm, ich glaube, es ist zu kalt draußen, um nur ein Kleid mir kurzen Ärmeln anzuziehen... Willst du mit mir zusammen auf den Balkon kommen, um zu fühlen, ob dir ein Kleid mit kurzen Ärmeln reicht?"

Auch da gibt es natürlich zwei Varianten ihrer Antwort :-) Bei "na gut" gehen wir gemeinsam auf den Balkon und Kyra sagt meistens: "Ist gut!, kein Oberteil!" Bei nein machen wir mit der Auswahl der Hosen weiter und ich packe bevor wir gehen die Oberteile mit den langen Ärmeln einfach in meine Tasche... ;-) Dies mache ich auch mit Jacken, Schuhen etc. so mit der Aussage: "Ich will das Oberteil für dich mitnehmen..." Kyra liebte ihre Sandalen... Im Regen etwas unpassend, aber ich hatte immer die "richtigen" Schuhe und Socken dabei. Sie merkte schnell selbst, dass die Füsse zu schnell nass sind, wenn man Sandalen im Regen trägt. Mittlerweile schicke ich sie nur noch auf den Balkon, damit sie selbst schauen kann, wie das Wetter ist (Kyra ist Ende Dezember 3 Jahre alt geworden).

 

 

 

Indem ich ihr zeige, dass ich ganz oft kooperiere, übernimmt sie das automatisch auch. Nun sagen mir manche Eltern oft: "OH ne, das braucht ja noch mehr Zeit und nerven als sonst..." Woraufhin ich gut antworten kann: "Wollen wir uns Mal darüber unterhalten wieviel Zeit und Nerven ein lauter "Wutanfall" der dann zu Frustration und Traurigkeit wird braucht?" ;-) Daraufhin füge ich noch hinzu: "Da ich diese Situationen immer gleich gestalte und mir klar bin, was ich will, braucht es tatsächlich gar nicht mehr Zeit und Nerven. Wir können freundlich miteinander umgehen, das nein des Anderen gut akzeptieren und gemeinsam einen Weg finden damit umzugehen, ohne das einer von uns verletzt wird, wenn wir unseren Kindern zutrauen, dass sie das bestmögliche geben, um die Person zu werden, sie SIE sein möchten :-)

 

 

 

Das bedeutet nicht, dass ich ständig kooperiere... In Situationen, die mir sehr wichtig sind, wie zum Beispiel Gefahren... (Laufen an der Straße). Da kooperiere ich nicht. Da gibt es ein klares "ich will, dass du auf dem Bürgersteig läufst!" meinerseits... :-)

Das wird auch nicht weiter verhandelt, da bin ich standhaft. :-)